Was bringt eine stattliche Anzahl nicht mehr aktiver Kunst- und Einradfahrer dazu, nach jahre-, teils jahrzehntelanger Pause die Sportgeräte aus dem Radlager zu holen, Leggins und Schläppchen aus dem hintersten Winkel des Kleiderschrankes zu kramen, die mehr oder weniger eingerosteten Gliedmaßen zu dehnen, zu strecken und zu kräftigen und sich mit dem gebotenen Respekt wieder auf das rollende Sportgerät zu begeben?

Was, oder vielmehr wer?

Albert Frank, der rührige zweite Vorsitzende des RV Burgheim, hatte zu einem besonderen Turnier geladen, um jemanden zu ehren, der über eine lange Zeit Rückgrat, Antriebskraft und Förderer des Kunst- und Einradsports auf allen Ebenen war und ohne den die Soli nicht wäre, was sie heute ist:

Das Nürnberger Soli-Urgestein Heinz Butz, der im April 2012 im Alter von 74 Jahren verstorben ist.

Zum Heinz-Butz-Gedächtnis-Turnier, fast genau zum fünften Todestag des Geehrten, waren alle ehemaligen Kunst- und Einradfahrer eingeladen, die nicht mehr selbst im Wettkampfsport aktiv sind. Es sollte ein Sporttag werden, der von gemeinsamen Erinnerungen, selten gewordenen Begegnungen, ehrfürchtiger Rückschau, fröhlicher Gaudi und durchaus auch sehenswertem Sport geprägt war. Beim manch Ehemaligem weckte die Vorbereitung auf das Turnier wieder sportlichen Ehrgeiz. „Da geht noch was!“ – wenn auch nicht mehr ganz so spektakulär und wagemutig wie damals. Fast fünfzig teils weitgereiste Kunst-und Einradartisten jenseits des Wettkampfalters kämpften einzeln und in Mannschaften am 25.März um Punkte und Plätze. Und siehe da: Auch mit 57 kann man auf einem Kunstrad eine gute Figur machen, mit 67 sich sogar noch aufs Einrad wagen.

Soli-Familientreffen

Eine wunderbare Idee, von der sich viele anstecken ließen, ein schönes Familientreffen, ein Ereignis, das dem, zu dessen Ehren es stattgefunden hat, ganz sicher gefallen hätte.

Isabell Kaatz von der Soli Fürth Vach würdigte zu Beginn der Veranstaltung das Leben und Wirken von Heinz Butz. Sie hatte sich die Mühe gemacht, die vielen Funktionen und Aktivitäten des umtriebigen Sportsmannes zusammenzutragen und zu sortieren.

Vereinsmanager und Funktionär

Heinz Butz war in seinem Verein als Trainer und im Vorstand, sowie im Landesverband Nordbayern, im RKB Bayern und auch in der Bundesjugendleitung aktiv für seinen Sport tätig und hatte über die Jahre zahlreiche Funktionen auf den unterschiedlichsten Ebenen inne:

Am 1.Mai 1953 war Heinz Butz in die Soli Nürnberg eingetreten und hielt dem Verein bis zu seinem Tod die Treue. Bis 1959 war als Einrad- und Steuerrohrfahrer aktiv, 1955 feierte er mit der 6er-Einradmannschaft den Deutschen Vizemeistertitel. Von 1957 bis 1960 engagierte er sich als Ortsgruppensportleiter und von 1965 bis 1971 als zweiter Vorstand in seinem Heimatverein. Von 1971 bis 1985 war er dann Schatzmeister bei der Soli Nürnberg.

Seit 1975 war er außerdem dort Vereinstrainer und seit 1992 bis zu seinem Tod Vereinssportleiter.

Schon bald engagierte er sich auch außerhalb des eigenen Vereins: Von 1966 bis 1969 fungierte er als Schriftführer des Bezirks 11 und von 1967 bis 1973, sowie von 2001 bis 2004 als Schriftführer des LV Nordbayern. Über 35 Jahre – von 1971 bis 2006 – war er als Landesfachwart für Kunstradfahren im LV Nordbayern tätig. Von 1973 bis 1990 war Heinz Butz Mitglied der Sportkommission der Stadt Nürnberg.

Als Bundeskampfrichter, Kampfrichterobmann, Landesfachwart für Kunstradfahren in Bayern, Obmann des RKB Solidarität, Sportleiter des RKB Solidarität Bayern e.V., Revisor der Bayernjugend-Leitung und Referent für Jugendsport in der Bundesjugendleitung wirkte er über Jahrzehnte in vielen Funktionen neben dem Engagement vor Ort weit über seine mittelfränkische Heimat hinaus.

Mit Ehrungen und Auszeichnungen gewürdigt

Zahlreiche Auszeichnungen würdigten das herausragende ehrenamtliche Engagement von Heinz Butz: Die Bundessportleitung des RKB verlieh ihm 1985 die Ehrenmedaille in Silber. 1997 erhielt er vom damaligen RKB-Präsidenten Uwe Lambinus die Ehrenurkunde des RKB SOLIDARITÄT Deutschland. 2004 wurde er anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Solidaritätsjugend mit der höchsten Auszeichnung des Verbandes, dem Ehrenbrief, ausgezeichnet. Auch dem Bayerischen Landessportbund blieben die Aktivitäten von Heinz Butz nicht verborgen – und er verlieh ihm 2004 die Verdienstnadel in Gold.

Die gesamte SOLI-Familie in Bayern und hier insbesondere die Kunst- und Einradsportler/innen haben Heinz Butz viel zu verdanken. Er war nicht nur Sportfunktionär, sondern ein treues, aus Überzeugung zu seinem Verband stehendes Mitglied, ein Vorbild an Pflichterfüllung, die oft an die Grenze des Machbaren reichte. Die Nachricht über den Tod des Ehrenmitglieds der Soli Nürnberg und des Ehrensportleiters des RKB Solidarität Bayerns hatte 2012 in der SOLI-Familie große Trauer hervorgerufen. Mit dem Gedächtnisturnier hat man ihm jetzt ein würdiges Denkmal gesetzt.

Text: Steffi Graff

Similar Posts

Leave a reply

required*