Quelle: Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

BERNLOHE – Bis zum Ende ungeschlagen und ohne Gegentor dominierte der RKB Soli Bamberg-Gaustadt die Deutsche Meisterschaft im 6er Rasen-Radball. Seit langem geht der Titel damit mal wieder an eine Mannschaft aus Bayern. Silber gewann der RMSV „Frisch auf“ Düsseldorf. Bronze ging an den RKB Hamburg-Bille.

Zwei Tage lang gehörte der Rasen am Bernloher Waldrand den Torjägern auf Fahrrädern. Angereist waren sie größtenteils von weit her: Vereine aus Hamburg, Bramsche in Niedersachsen, Düsseldorf, Niederseifersdorf in Sachsen und Tann in Hessen hatten neben den Gaustädtern Mannschaften nach Bernlohe geschickt. Dort wird gar nicht Radball gespielt. Trotzdem herrschte im kleinen Kreis einer überschaubaren Zuschauermenge große Begeisterung für das, was es auf dem Spielfeld an Sport zu sehen gab.

Beim Rasenradball treffen technische Raffinesse, spielerisches Geschick und Kondition auf harten Körpereinsatz mit wenig Rücksicht auf das teure Material. „Nicht ducken und nicht bremsen“, schallte es aus der Coaching-Zone. Eine Anweisung, an die sich alle hielten.

Der Ball darf von allen Mitspielern mit dem Rad und der gesamten Körperfläche berührt werden. Die Hände müssen jedoch stets am Lenker und die Füße auf den Pedalen bleiben. Nur die Torwarte dürfen den Ball mit den Händen abwehren.

Zimperlich geht es nicht zu: Fahrräder krachen ineinander, nicht selten geraten Schienbeine und Knöchel dazwischen. Meist unverletzt lösen sich die Knäuel aus Körpern und Geräten wieder auf. Das alles macht viel Spaß beim Zuschauen, es gibt zahlreiche spektakuläre Aktionen, Spielzüge und Tore zu sehen. Schade nur, dass es so wenige kennen oder aus Neugierde den Weg zum Bernloher Sportgelände fanden.

Die Mannschaft aus dem Bamberger Ortsteil machte von Anfang an deutlich, mit welchem Ziel sie nach Bernlohe gekommen war: Sie wollte den Titel und den Pott – den Theo van Zütphen Gedächtnispokal, der seit 2012 als Wanderpokal an die jeweiligen Deutschen Meister weitergereicht wird. Der Gaustädter Anhang mit Kind und Kegel trommelte und sang die eigene Mannschaft von Erfolg zu Erfolg

Am Ende des ersten Wettkampftages lag Gaustadt schließlich mit drei Punkten Vorsprung an der Spitze der Tabelle, dahinter Düsseldorf und Hamburg mit jeweils sechs Zählern. Und sie machten am Sonntagmorgen auf nassem Rasen genauso weiter. Nicht ein einziges Tor konnten die anderen Mannschaften im Gaustädter Kasten unterbringen, obwohl auch in anderen Trikots tolle Leistungen zu sehen waren.

Vor allem Düsseldorf kämpfte verbissen gegen die fränkische Oberhand an. Die Titelverteidiger aus Nordrheinwestfalen hatten aber schon im allerersten Spiel Pech: Spielmacher Daniel Endroweit verletzte sich, musste im Krankenhaus verarztet werden und fiel für den Rest des Turniers aus. Damit fehlte nicht nur ein starker Mann auf dem Platz, sondern es blieb nur ein Auswechselspieler übrig.

Zumindest dafür wurde am Sonntag eine kreative Lösung gefunden. Nach kurzer Abstimmung mit den Offiziellen füllten die Düsseldorfer die Mannschaft auf noch nie dagewesene Weise auf: Nachnominiert wurde die als Betreuerin mitgereiste Julia Wolf, die sich als einzige und erste Frau überhaupt mit ins Getümmel stürzte. Die ehemals sehr erfolgreiche Kunstradfahrerin hat eine gültige Radsportlizenz, bekam am Samstagabend einen Crash-Kurs im Umgang mit dem Ball und verschaffte im letzten Spiel den Düsseldorfer Jungs mit Herz und Radbeherrschung eine Atempause und fast eine Torvorlage.

Dass am frühen Nachmittag Wind und Regen die Siegerehrung in ein etwas übereiltes Chaos stürzten, focht zumindest einen nicht an: Für Gerhard Alt, genannt „Lolo“, ist an diesem Wochenende in Bernlohe ein Traum in Erfüllung gegangen.

Das Radball-Urgestein aus Gaustadt hatte so sehr auf diesen Erfolg seiner Jungs gehofft und lief mit stolzgeschwellter Brust und einem breiten Grinsen über das Gelände. Jahrzehntelang war er selber auf dem Platz aktiv gewesen, als Schiedsrichter und Übungsleiter begleitet er seit vielen Jahren junge Talente und setzt sich mit viel Enthusiasmus dafür ein, die Tradition 6er Rasenradball am Leben zu erhalten. Drei der frischgebackenen deutschen Meister hat er buchstäblich selbst großgezogen: Es sind seine Söhne. Quelle: Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

2

Similar Posts

Leave a reply

required*