Besser hätte die Weltcup-Premiere zumindest aus Sicht der bayerischen Kunstradsportler kaum gelingen können. Die beiden amtierenden Weltmeister Milena Slupina (TSV Bernlohe) und Lukas Kohl (RMSV Concordia Kirchehrenbach) entschieden den ersten Durchgang in Prag im 1er für sich und durften bei der Siegerehrung jeweils in das weiße Trikot des Weltcup-Führenden schlüpfen. Im Vorfeld war von Seiten des BDR von einem „geschichtsträchtigen“ Wettkampf, der eine „neue Zeitrechnung“ im internationalen Kunstradsport einläuten werde, gesprochen worden.

Entsprechend hatte keiner der aktiven deutschen Top-Athleten die Chance ausgelassen, sich an diesem Ereignis zu präsentieren. Tatsächlich beginnt für die Kunstrad-Elite mit der Einführung der über das ganze Jahr verteilten vier Weltcup-Termine ganz konkret eine neue Zeitrechnung: Statt wie gewohnt im Spätherbst müssen sie nun das ganze Jahr über internationale Wettkampfform aufweisen. Insgesamt neun Nationen hatten Sportler zum Weltcup-Auftakt nach Prag geschickt.

In der Pankrác-Halle bestätigten die angetretenen Weltmeister in allen Disziplinen ihre Ausnahmestellung.

Milena Slupina gewann den ersten Vergleich der neuen Tour im 1er Frauen souverän vor Maren Haase (RV Blitz Hoffnungsthal) und Viola Brand (RSV Unterweissach). Neben Milena Slupina war in der Moldaustadt mit Martin Fürsattel (RSV Fürth-Vach) ein weiterer hochkarätiger bayerischer Soli-Sportler am Start. Auch er konnte mit dem dritten Platz hinter Kohl und dem weiteren deutschen Starter Marcel Jüngling (RRV Dornheim) wertvolle Punkte für die Weltcupserie einsammeln.

Überhaupt: Bis auf den Wettbewerb im 4er, den wieder das Schweizer Quartett gewann, gingen auch diesmal alle Goldmedaillen an die deutschen Starter. Auch im 2er der Frauen, das ohne die mittlerweile zurückgetretenen Weltmeisterinnen Julia und Nadja Thürmer stattfand. Hier sicherte sich das Gutacher Paar Sophie Nattmann/Caroline Wurth den ersten Platz vor Helen Vordermeier/Selina Marquardt (RV ‚Vorwärts‘ Oberjesingen) und dem Schweizer Paar Irina Christinger/Nathalie Steinemann. Die deutschen Vizeweltmeisterinnen Lena und Lisa Bringsken (RCV Böhl-Iggelheim) waren ausgefallen.  Serafin Schefold/Max Hanselmann (RV Öhringen) verwiesen im 2er Männer beim Weltcup-Auftakt wie bei schon bei der WM die Klein-Winternheimer André Bugner/Benedikt Bugner auf den zweiten Platz vor den drittplatzierten Schweizern Lukas Burri/Fabienne Hammerschmidt.

Prag hat der Weltcup-Premiere einen gelungenen sportlichen Rahmen geboten, der Ende Juni im niederländischen Heerlen hoffentlich eine adäquate Fortsetzung finden wird. Dazwischen warten auf die Top-Elite-Kunstradfahrer weitere neue Aufgaben außerhalb der gewohnten Wettkampfsaison: Am 21. April findet in Wendlingen die Quali für die ebenfalls erstmals stattfindende Elite-Europameisterschaft (am ersten Juni-Wochenende in Wiesbaden) statt.

Weltcup-Initiator Rolf Halter, der mit dem Förderverein „Indoor Cycling Worldwide“ die nächsten drei Jahre für den Radsport-Weltverband UCI als Organisator des Weltcups die internationale Aufmerksamkeit für den Kunstradsport anschieben darf, wird froh sein über den gelungenen Auftakt in Prag. Mit den zusätzlichen Kosten für den Weltcup möchte die UCI zunächst einmal nichts zu tun haben.  So bleibt zu hoffen, dass die zusätzliche Medienpräsenz über das ganze Jahr neue Partner und Geldgeber motiviert, den Kunstradsport „auf dem Weg zu neuen Ufern“ zu stützen.

Text: Steffi Graff

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