Gold in Göppingen: Jana Pfann triumphiert bei der Hallenradsport-WM 2025!

14. November 25 | Hallenradsport

Die Hallenradsport-WM 2025 in Göppingen war ein echtes sportliches Highlight: Mit rund 12 000 Zuschauern an drei Tagen herrschte eine Atmosphäre, die viele als die „beste WM seit Corona“ beschrieben.
Jana Pfann sitzt auf den Schultern eines Mannes und schwingt die Deutschlandfahne. Links und rechts von ihr werden die Zweitplatzierten ebenfalls durch die Halle getragen

Die Halle bot genau die richtige Größe: Groß genug für internationales Flair, aber kompakt genug, um die Energie des Publikums direkt auf die Fläche zu bringen. So kann und muss sich Hallensport anfühlen: nah, laut und voller Emotionen.

Starke Leistungen, starke Nerven – Kunstrad auf Spitzenniveau

Im 2er-Kunstrad der Frauen sorgten Kim Leah Schlüter und Neele Jodeleit (RSV Knetterheide) für einen emotionalen Höhepunkt. Kurz vor dem Start hatten sie sich entschieden, die schwierige Kehrreitsitzsteiger Mühle Dreh aus ihrer Kür zu streichen – eine strategische Entscheidung für mehr Sicherheit. Trotz eines Sturzes von Neele bei der Lenkerdrehung zeigten sie eine nahezu perfekte Kür und sicherten sich direkt die Silberposition. Am Ende blieb es bei WM-Silber, da ihre Freundinnen und zugleich größten Konkurrentinnen Henny Kirst und Antonia Bärk fehlerfrei durchkamen und Gold holten. Für Kirst und Bärk war es der krönende Abschluss ihrer Karriere.

Kim Lea Schlüter und Neele Jodeleit in der Halle in Göppingen

Emotionen pur – Höhen und Tiefen im 1er-Kunstrad der Frauen

Für Veronika Koch (RKB Solidarität Hausham) war die WM ein Wechselbad der Gefühle. Mit der zweithöchsten Ausgangspunktzahl angereist, verpasste sie trotz starker Vorbereitung das Finale – ein tragischer Moment. Mehrfach stürzte sie während ihrer Kür, was sich später als Folge eines kleinen, aber entscheidenden Missgeschicks herausstellte: Eine Kontaktlinse war herausgefallen, sie hatte kaum Sicht. Dennoch war der Start für sie der bisherige Höhepunkt ihrer erfolgreichen Karriere.

Dagegen krönte Jana Pfann (RKB Solidarität Bruckmühl) ihren Auftritt mit einem erneuten Triumph – trotz eines Fehlers in der Vorrunde, beim schwierigen Handstand in der Acht, den sie erstmals in ihre Kür integriert hatte. „Beim Einfahren ging der Handstand wirklich super, aber es ist einfach eine Übung, die sich bei mir noch nicht ganz gefestigt hat – und das ist auch in Ordnung so. Ich wollte es in der Vorrunde trotzdem versuchen und schauen, ob es klappt, um dann fürs Finale reagieren zu können. Für nächstes Jahr ist die Acht auf jeden Fall fest eingeplant!“, kommentiert Jana.

Nächstes Ziel Weltrekord

Doch auch so qualifizierte sie sich souverän fürs Finale – und zeigte dort ihre ganze Klasse. Zum zweiten Mal nach 2022 wurde sie Weltmeisterin im 1er-Kunstradfahren der Frauen. Wird die Medaille von 2022 nun also abgehängt? Oder hat die Ausnahmeathletin einen extra Ehrenplatz? „Nein, die Medaille von 2022 wird natürlich nicht abgehängt. Und ja, bei mir hat tatsächlich alles einen Ehrenplatz. Ich habe Bilderrahmen mit den Trikots im Treppenhaus, ein Regal für Pokale und zwei Bretter mit Nägeln für all meine Medaillen. Das finden manche vielleicht übertrieben, dass bei mir wirklich alles einen Ehrenplatz hat, aber ich bin stolz auf meine Medaillensammlung – und ich finde, das darf ich auch sein, denn dahinter steckt viel Arbeit, Fleiß und Ehrgeiz“, so Jana auf die nicht ganz ernstgemeinte Frage. Eine Pause gönnt sie sich übrigens nicht – und war bereits wieder in der Halle: „Der Weltcup steht am Samstag an, da will ich meine Handstand-Acht nochmal versuchen – und diesmal hoffentlich auch schaffen. Und Pause mag ich eigentlich nicht“, so die ambitionierte Jana, von der wir noch viel erwarten können: „Aktuell sind meine Pläne, noch bis 2028 oder 2029 zu fahren. Ein Ziel ist noch der Weltrekord und die 200-Punkte-Marke zu knacken. Aber ob ich das schaffe, das steht noch in den Sternen.“

Jana Pfann macht einen Handstand auf dem Lenker ihres Kunstrades

Großer Jubel kam in Göppingen natürlich auch von den Fans aus Bruckmühl und Knetterheide, die ihre Athletinnen mit voller Leidenschaft unterstützten. An der Bande mitgefiebert haben auch die Trainerinnen Nicole Pfann (für Jana), Sixta Jodeleit (für Kim und Neele) und Edda Koch (für Veronika) – alle drei prägten die WM mit ihrer Erfahrung und Hingabe.

Auch RKB-Bundestrainerin Kathrin Igel zeigte sich stolz, nicht nur auf die Leistungen der deutschen Fahrerinnen. Besonders freute sie sich über die Teilnahme der kanadischen Sportlerin Raphaelle Pelletier, die sie im Rahmen ihres Engagements in der ICWW-Bewegung (Indoor Cycling World Wide) ebenfalls trainiert hat.

Blick nach vorn – Kunstradfahren auf dem Weg zu den World Games?

Beim abschließenden Bankett gab es dann eine Nachricht, die aufhorchen ließ: Die Aufnahme des Kunstradfahrens in die World Games wird wieder angestrebt. Dimitri Covent, UCI-Verantwortlicher für den Hallenradsport, verkündete das Ziel, Kunstradfahren 2029 in Karlsruhe wieder dabei zu haben – genau dort, wo die Sportart 1989 zum ersten und bisher einzigen Mal Teil der World Games war. Der „olympische Traum“ lebt also wieder auf.

Eine WM mit Signalwirkung

Die Hallenradsport-WM 2025 in Göppingen war ein emotionales und sportliches Ausrufezeichen. Sie zeigte, dass Kunstradfahren nicht nur Präzision und Ästhetik, sondern auch Leidenschaft und Gemeinschaft bedeutet.

Mit starken Leistungen und einer Atmosphäre, die Gänsehaut hinterließ, war diese WM ein Musterbeispiel dafür, wie der Hallenradsport in Zukunft aussehen kann – nahbar, professionell und mit einer klaren Vision: Richtung World Games.

Fotos: Hubert Dandl

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