Seit bereits 27 Jahren haben die Hobby-Radrennfahrer die Gelegenheit, die jeweils schwerste Bergetappe der Tour de France wenige Tage vor den Profis zu bestreiten – im Rahmen der „L`Étape du Tour“. Klaus Wilbert vom RMSV „Frisch auf“ Düsseldorf stellte sich am 16. Juli zum fünften Male dieser Herausforderung. 16.000 Radrennfahrer aus 70 Ländern nahmen teil, davon jedoch weniger als 200 aus Deutschland, mehr als doppelt so viele jedoch z. B. aus Brasilien. Das Rennen wird organisiert vom Veranstalter der Tour, der ASO. Dies gewährleistet dieselbe Professionalität bei Verpflegung, Streckensperrung, Pannenservice und medizinischer Versorgung.

Nachdem sein Heimatort Düsseldorf 2017 Startort der Tour de France war, stand für Klaus Wilbert fest, dass er nochmals im Rahmen dieses größten globalen Radsportevents selbst aktiv werden will. Die Strecke führte dieses Jahr über 182 km mit mehr als 3.600 Höhenmetern von Briancon zum Col d`Izoard. Insgesamt mussten drei Alpenpässe überwunden werden, nach der Cote des Demoiselles Coiffées, der Col de Vars zur Bergankunft auf dem 2.360 m hohen Col de l`Izoard. Gestartet wurde am frühen Morgen bei nur 7 Grad, später brannte die Sonne bei über 30 Grad auf die Sportler. An den Verpflegungsstellen hat Klaus insgesamt mehr als 8 Liter Getränke aufgenommen, die gänzlich ohne Toilettenstopp wieder ausgeschwitzt wurden.

Die Hauptschwierigkeiten der diesjährigen Strecke kamen zum Schluss, nach 120 und 160 Kilometern als die Erschöpfung schon deutlich wurde. Krämpfe im Oberschenkel traten zuletzt in immer kürzeren Abständen auf und erzwangen kurze Zwangspausen. Viele Teilnehmer mussten ihr Rad am letzten Pass längere Stücke schieben, weil einfach gar nichts mehr ging. Die Teilnehmer wurden von den vielen Fans an der Strecke, die bereits ihre Wohnmobile an den anspruchsvollen Passtrecken für die Tour der Profis geparkt hatten, angefeuert und mit kaltem Wasser übergossen. Trotzdem wurden die wenigen Schattenstücke von vielen Rennfahrern für eine kurze Pause genutzt, manche schliefen dort sogar erschöpft ein.

Als die Mondlandschaft der „Casse Deserte“ vier Kilometer vor dem Gipfel erreicht war, konnte jeder abschätzen, ob er noch im Zeitlimit das Ziel erreicht oder doch in den Besenwagen einsteigen muss. Nach 9 ½ Stunden war Klaus Wilbert völlig erschöpft im Ziel und wurde dort auch von „Tourteufel“ Didi Senft bejubelt. Nach einem Imbiss am Gipfel musste er noch weitere 25 km zum Startort Briancon, wo eine große Pastaparty auf die Teilnehmer wartete, radeln, allerdings überwiegend bergab.

Sein Anspruch war, nach Abzug der Verpflegungspausen weniger als die doppelte Zeit für die Touretappe zu brauchen wie die besten Profis vier Tage später. Dies ist ihm auch dieses Jahr wieder gelungen. Er hat bewiesen, dass man auch nur mit Felsquellwasser eine solche Herausforderung bewältigen kann, wenn man sich nur genug selbst quält. Tour-Favorit Richie Porte aus Australien hat im Interview seinen großen Respekt vor all den Hobbyfahrern ausgedrückt, die mit 10 Kilo Übergewicht dieselben Pässe hochfahren wie die Profis.

Klaus Wilbert bestreitet seit mehr als 50 Jahren Radrennen. Er braucht Saisonziele, um sich selbst zu disziplinieren. Ohne diese würde er sicher deutlich weniger als seine 5.000 Jahreskilometer fahren. Seit 25 Jahren macht er jedes Jahr mit Freunden eine Rennradtour in die Alpen oder Pyrenäen und hat dabei mittlerweile 275 Passtrassen bezwungen. Im RMSV „Frisch auf“ Düsseldorf trainiert der 65-jährige seit mehr als 25 Jahren die Einradfahrer. Seine eigene Karriere als Einradfahrer hat er vor drei Jahren beendet, nachdem er als Einziger ein Dutzend Mal den Düsseldorfer Einrad-Marathon absolviert hatte, den er auch selbst ins Leben gerufen und organisiert hat.

Werner Schmitt
Pressewart RMSV „Frisch auf“ Düsseldorf

 

 

Fotos: Klaus Wilbert

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